Weingut Schloss Gobelsburg, Kamptal

 

Ich hatte die Gelegenheit, an einer Studienreise von Baur au Lac Vins mit dem Hauptziel Weingut Schloss Gobelsburg teilzunehmen.  Die Geschichte von Schloss Gobelsburg zu hören und von Michael Moosbrugger mehr über seine Philosophie und die Weine zu erfahren, war toll. Ich habe seither einen deutlich vertieften Bezug zum Weingut und den Weinen.  Das Kamptal liegt westlich von Wien und ist bequem in rund einer Stunde Fahrt ab Flughafen Schwechat über die Autobahn erreichbar. Dank eines frühen Fluges ab Zürich erreichten wir das Weingut am späteren Vormittag des 23. Juni 2018. 

Eva, die Frau von Michael Moosbrugger, bereitete uns einen herzlichen und feinen Sektempfang. Peter, der sich als „Gehilfe des Gärtners“ vorstellte, entpuppte sich als Vater von Eva und als bewanderter, kurzweiliger Erzähler, der uns die Geschichte von Schloss Gobelsburg näher brachte.

Die erste urkundliche Erwähnung von Schloss Gobelsburg stammt aus dem Jahre 1074. Das Schloss war im Besitz der Kuenringer bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. Insgesamt sind es 18 verschiedene Adels- und Landadelsgeschlechter seit der Kuenringer bis Otto Ferdinand Freiherr von Hohenfeld 1693 die Herrschaft übernimmt. Nach seinem Tode im Jahr 1716 baut sein Sohn – Otto Achaz von Ehrenreich – 1725 das  Renaissanceschloss in den heutigen Zustand um.

Am 17. September 1740 verkauft der damalige Schlossbesitzer  Hohenfeld das Schloss für 40.000 Gulden an das STIFT ZWETTL, das seit 1171 diverse Ländereien und Weingärten besass (“Steiner Allerheiligenstiftung”; Weingärten am Heiligenstein und Gaisberg).

Nach dem 1. Weltkrieg wurde im Schloss ein Lehrlingserholungsheim eingerichtet. Während des 2. Weltkrieges waren französische Kriegsgefangene einquartiert, die das Schloss 1945 in einem trostlosen Zustand zurückließen. Die Holzböden waren herausgerissen, ein Großteil der Öfen konnte glücklicherweise gerettet werden.

Pater Bertrand Baumann, der 1958 die Leitung der Herrschaft Gobelsburg übernommen hatte, begann nach und nach das ganze Schloss zu renovieren. Neben seinem Schaffen und Wirken um das Schloss war Pater Bertrand auch ein hervorragender Winzer. Es gelang ihm, den Messwein salonfähig zu machen und zu seiner Zeit zu den besten Weinproduzenten in Österreich zu gehören.

Als Pater Bertrand einen Nachfolger suchte, hatte er Kontakt zum bekannten Weinmacher Willi Bründelmayer. Dieser lehnte ein Kaufangebot vorerst ab, empfahl ihm dann aber den jungen Winzer Michale Moosbrugger.  Seit 1. Februar 1996 wird das Weingut und das Schloss von Eva und Michael Moosbrugger – anfangs in Kooperation  Willi Bründlmayer – geleitet. Oberstes Ziel ist es, das weinkulturelle Erbe von Schloss Gobelsburg – mit Weingärten, die zu den historisch ältesten Lagen des Gebietes zählen – zu pflegen, weiterzuentwickeln und in die nächste Generation zu führen.

Im Dezember 1996 wurde das Weingut in den renommierten Verein österreichischer Traditionsweingüter aufgenommen. Die Bodenbeschaffenheit, Hangneigung und mikroklimatische Einflüsse – das ‘terroir’ – prägen Charakter und Eigenschaften jedes Weines. Manche, meist traditionelle Lagen, bringen Jahr für Jahr Weine mit grossem Potenzial hervor. Eine Klassifizierung dieser Lagen im Kamptal und Kremstal haben die Traditionsweingüter erstmalig in Österreich vorgenommen.

Nun stösst Michael Moosbrugger, der am Vorabend noch eine Verkostung in Kopenhagen präsentierte, zu unserer Gruppe. Er führt uns in den historischen Weinkeller. Die Denkweise von Michael Moosbrugger ist stark geprägt von der Philosophie, die Tradition zu bewahren. Seine Ausführungen, wie er mit einem Minimum an maschineller Beeinflussung auskommt, beeindruckt mich. Michael Moosbrugger versteht es, natürlicher Ressourcen zu nutzen, diese mit  innovativen Elementen zu kombinieren und damit den Charakter der Weine zu formen. 

Wenn im Herbst die Trauben die notwendige Reife erhalten haben, werden sie von Hand in kleine stapelbare Kisten gelegt und vorsichtig in den Keller transportiert. Dort werden sie sanft mit einer pneumatischen Presse gepresst und anschließend kühl vergoren. Je nach Stil und Potential der Trauben geschieht dies in Edelstahl oder im Eichenholz.

Faszinierend ist das von Michal Moosbrugger entwickelte “Dynamic Cellar Concept”. Da  auf temperaturgesteuerte Stahltanks verzichtet wird, in denen dem die Temperatur zum Wein gebracht wird, bringt Michael Moosbrugger den Wein zur Temperatur. Statt die Weine in andere Temperaturzonen des Kellers zu Pumpen, werden die Fässer, die auf einem Radrahmen stehen, einfach in andere Kellerteile oder – zur Ausfällung des Weinsteins – im Winter ins Freie gerollt.

Während in vielen grossen Kellereien versucht wird, kontinuierlich gleichförmige Weine zu produzieren, die einen möglichst breiten Geschmack treffen, versucht Michael Moosbrugger, authentische Weine reifen zu lassen, deren Persönlichkeit durch Individualität und durch ihre Herkunft geprägt sind. Wie der Wind und die Sonne das Gesicht und den Ausdruck im Gesicht des Bauern prägen, so ist authentischer Wein ein Abbild des Bodens, des Regens, der Sonne und des Windes. Auch die Behältnisse, in denen diese Weine reifen, tragen zur Formung des Charakters bei. Für die grossen und kleinen (Barrique) Eichenfässer werden Hölzer vom Manhartsberg (die Region nördlich von Langenlois) verwendet. Dieses Holz hat einen anderen Charakter als die Eiche aus Frankreich oder aus Amerika. Jedoch entspricht sein Charakter genau dem Klima und den Witterungsbedingungen der Region, in der auch die Reben gewachsen sind, die in eben diesen Fässern gelagert werden.

Wir geniessen nach diesen Ausführungen ein feines Mittagessen mit Schlossambiance. Dann besuchen wir die Weingärten, bei der Lage Heiligenstein. Michael Moosbrugger erklärt uns die geografische Lage des Kamptals, und erzählt mehr über die Eigenschaften des Kamptals.   

Das spezifische Weinanbaugebiet Kamptal gehört zu Niederösterreich, dem mit 28’145 Hektaren grössten der der vier generischen Weinanbaugebiete Österreichs. (Die anderen sind das Burgenland, Steiermark und Wien). Direkte Nachbarn des Kamptals sind das Kremstal, das Traisental und der Wagram. Diese vier zusammenhängenden Weinangebiete an der Donau und seinen Nebenflüssen  haben eine Fläche von 9’700 Hektaren. (Vergleich: Die Anbaufläche Schweiz 15’000 ha).

Rund um das Schloss Gobelsburg erstrecken sich die Weingärten – jeder mit seinen Besonder- und Eigenheiten, jeder mit unterschiedlichen Boden- und mikroklimatischen Verhältnissen. Von den sonnendurchsetzten Terrassenlagen am Zöbinger Heiligenstein und am Gaisberg bis zu den weitläufigen Gärten rund um Gobelsburg ist die Möglichkeit gegeben, jeder Rebsorte – ihrem Potential entsprechend – die bestmögliche Entwicklungschance zu bieten.

Jeder Weingarten kann als ein eigenes Individuum betrachtet werden, dessen Anlagen mit Umsicht und Sorgfalt zur Reife geführt werden. Ein naturfreundlicher Weinbau war schon Leitmotiv auf Schloss Gobelsburg als Pater Bertrand noch für das Anwesen verantwortlich war. Das Einbringen von organischem Dünger, der Verzicht auf Unkrautvernichtungsmittel oder der reduzierte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sind keine neuen Vorschriften sondern althergebrachte Praktiken.

Rund 80 Prozent der Fläche ist mit den weissen Rebsorten Grüner Veltliner und Riesling bepflanzt. Daneben wird Pinot Noir, Zwegelt und St. Laurent kultiviert. Schon von jeher sind im Weingut Schloss Gobelsburg die wichtigsten Rebsorten der Grüne Veltliner und der Riesling. Über die Jahrhunderte haben sich diese Sorten als die geeigneten für die umliegenden Bodenstrukturen erwiesen. Während sich der Riesling auf den kargen und steinigen Terrassen vom Heiligenstein und Gaisberg am wohlsten fühlt, kann sich der Grüne Veltliner am besten auf den lössig-sandigen Böden der Umgebung entfalten.

Während der anschliessenden Degustation im Schloss haben wir die Gelegenheit, diverse Weine zu verkosten. Gerne ergänze ich diesen Teil in den nächsten Tagen. Ein erlebnis- und lehrreicher, nicht zuletzt auch genussvoller Tag auf dem Weingut Schloss Gobelsburg endete mit einem feinen Nachtessen in Krems.