Jura, Grüne Fee und Vin Jaune

Anfang Juli 2018 bereiste ich mit Freunden den für viele von uns weitgehend unbekannten Jura. Es war ein genüsslicher und auch lehrreicher Ausflug zur Grünen Fee und zu den unbekannten Weinen des Jura, der kleinsten Weinanbauregion Frankreichs. 

Maison de l’Absinthe

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Das Maison de l’Absinthe in Môtiers  ist ein Begegnungszentrum und Museum. Gleichzeitig können die Produkte verschiedener Brenner verkostet und gekauft werden. Der interessante Rundgang dauert knapp eine Stunde. Das Maison de l’Absinthe beherbergte früher den Polizeiposten von Môtiers und dasjenige Gericht das – Ironie des Schicksals – die  die Schwarzbrenner verurteilte. Der Besuch der drei Stockwerke beginnt von oben und führt in einer Spirale nach unten, in der Form eines Destillierapparats. Die Geschichte der Grünen Fee und die Prohibitionsphase mit der geheimen Brennerei werden auf originelle Art und Weise veranschaulicht. 

Absinthe wird hauptsächlich aus dem Wermutkraut sowie Anis, Fenchel und einer je nach Rezeptur unterschiedlichen Reihe weiterer Kräuter wie Ysop, Melisse und Minze hergestellt. Bei einer grossen Anzahl von Absinthe-Marken ist die Spirituose von grüner Farbe. Deswegen wird Absinth auch „Die grüne Fee“ oder „fée verte“ genannt. Der Alkoholgehalt liegt zwischen 45 und 80 Volumenprozent. Wegen der Verwendung bitter schmeckender Kräuter, insbesondere von Wermut, gilt Absinth als Bitterspirituose, obwohl er nicht unbedingt bitter schmeckt. Hier ein Rezept von Georges Matthey-Claudet, einem überzeugten „Widerstandskämpfer“ in der Zeit des Absinthe-Verbots, spezialisiert auf die Herstellung von verbotenen Brennapparaten und der Grünen Fee.

Absinth wurde ursprünglich im 18. Jahrhundert im Val de Travers (Kanton Neuenburg) als Heilmittel hergestellt. Später entstanden Brennereien im ganzen Val de Travers. Die Schweizer brachten den Absinthe auch ins benachbarte französische Pontarlier, das heute als Hauptort des Absinthe gilt. Grosse Popularität fand der Absinthe, der traditionell mit Wasser vermengt getrunken wird, in der zweiten Hälfte des 19. und dem frühen 20. Jahrhundert in Frankreich. Zu den berühmten Absinthe-Trinkern zählen unter anderem  Charles Baudelaire, Paul Gaugin, Vincent van Gogh, Ernest Hemmingway, Edgar Allan Poe, Arthur Rimbaud, Henri de Toulouse Lautrec und Oscar Wilde.

Auf dem Höhepunkt seiner Popularität stand das Getränk in dem Ruf, aufgrund seines Thujon-Gehalts abhängig zu machen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden hervorzurufen. Im Jahre 1908 kam durch die deutliche Annahme einer Volksinitiative das Absinthe-Verbot in der Schweiz zustande, welches erst im Jahre 2005 aufgehoben wurde. Auch in verschiedenen europäischen Ländern und den USA war Absinthe verboten. Moderne Studien haben eine Schädigung durch Absinthkonsum über die Wirkung von Alkohol hinaus nicht nachweisen können; die früher festgestellten gesundheitlichen Schäden waren in erster Linie auf übermässigen Konsum zurückzuführen.

Französicher Jura
Arbois – Château-Châlon – Château d’Arlay

Château-Chalon

Château-Chalon

Nach dem Besuch von Môtiers ging es weiter in den französischen Jura. Wir übernachteten im hübschen Provinzstätchen Arbois im charmanten Hotel & Restaurant Les Caudalies, wo wir ein hervorragendes Abendessen geniessen konnten. Nach dem Besuch des Wochenmarktes erkundeten wir die Weingegend und die Weine.

Zur französischen Weinanbauregion Jura zählen die regionalen Appellationen Arbois, Château-Chalon, Côtes du Jura und Etoile, sowie die AOC Crémant du Jura. Es ist mit rund 2000 Hektar Rebfläche das kleinste Weinanbaugebiet Frankreichs und ist rund viermal grösser als die Rebfläche des Kantons Zürich.

Es werden die weissen Rebsorten Savagnin und Chardonnay und die roten Sorten Pinot Noir, Trousseau,  Poulsard und Béclan angebaut. Der Jura war lange Zeit von anderen Anbaugebieten isoliert und hat deshalb bis heute die jahrhundertealte Weinbautradition mit eigenen Rebsorten und anachronistischen Ausbauarten und Weinspezialitäten wie Vin Jaune und Vin de Paille bewahrt:

Der Vin Jaune

Die Qualitätsanforderungen an diesen Wein sind hoch.  Der Vin Jaune wird ausschließlich aus der weissen Rebsorte Savagnin hergestellt. Im Geschmack ähnelt der Wein dem Sherry. Ein grosser Unterschied liegt jedoch darin, dass der Vin Jaune nicht aufgespritet wird. Nach der Vergärung des Mosts muss der Wein noch mindestens sechs Jahre und drei Monate in einem Barrique liegen. In dieser Reifezeit verdunsten bis zu 40 % des Weines. Das Fass wird nicht nachgefüllt, der Wein reift unter einem Hefeflor. Die lange Reifezeit erklärt auch den hohen Preis des Weines, der schnell einmal bei 40 Euro pro Flasche liegt. Nach dem Abfüllen hält sich der Wein sehr lange. Lagerzeiten von 40 bis 50 Jahren sind keine Seltenheit.

Eine Besonderheit ist die spezielle Flaschenform (Clavelin) mit einer Füllmenge von 620 ml. Dies ist in Europa einmalig und nur dem Wein dieser Anbaugebiete vorbehalten.

Gastronomisch gesehen passt ein Vin Jaune sehr gut zum Käse des Jura, dem Comté oder generell zu einem guten Käsebuffet oder einem Coq au Vin Jaune.

Der Vin de Paille

Der Vin de Paille (Strohwein) wird nach der Lese auf Strohmatten getrocknet. Durch die Wasserverdunstung steigt der Zuckergehalt. Erst nach dieser Behandlung werden die Trauben gepresst. Wegen des hohen Zuckeranteils entsteht nach der Gärung ein lange lagerfähiger Süsswein mit einem relativ hohen Alkoholgehalt.

Château-Chalon

Château-Chalon

Château-Chalon

Das malerische Städtchen Château Chalon thront über der gleichnamigen AOC, mit einer Rebfläche von rund 45 Hektaren. Ein Bummel durch das Dörfchen und eine Einkehr für einen Apéro und ein leichtes Mittagessen lohnt sich. Empfehlenswert ist das Restaurant Le Petit Castel.

 

 

Chateau-Arlay

Château d’Arlay

Château d’Arlay hat eine Geschichte, die weit in die Vergangenheit zurückreicht. Schon immer wurde hier Wein produziert. Das 25 Hektar Weingut besitzt sehr alte Weinberge und einen traditionsreichen Fasskeller aus dem 17. Jahrhundert. Die Weingärten, die zur AOC Côteaux du Jura zählen, liegt sehr günstig, mit südlicher Ausrichtung, die vor den kalten Nordwinden schützt. Die Durchschnittserträge liegen bei 30 Hektoliter pro Hektar. Der mergelige Boden besteht aus Kalkstein mit fossilen Einschlüssen. Die Weine von Château d’Arlay gehört zu den traditionsreichen, unverwechselbaren Tropfen einer Weinanbauregion, die nur wenige kennen.

Wir genossen eine äusserst interessante Degustation mit dem Schlossherrn, Comte Alain de Laguiche. Die Jura-Weine sind nicht alltägliche, teilweise anachronistische Weine, die unsere Sinne fordern und sich von der Masse abheben.

Zum Abendessen gab es dann in Arbois einen Coq‘ au Vin Jaune, natürlich mit einem Glas Vin Jaune!